Juli Zeh – Über Menschen

Anfangs dachte ich, dass die Bücher von Juli Zeh und ich nicht zusammenpassen, aber das hat sich mit ihrem neuen Buch ‚Über Menschen‘ geändert. Man kann das Buch in einem Rutsch durchlesen und fühlt sich bestens unterhalten:

Die Mitdreißigerin Dora hat ordentlich die Nase voll von ihrem Leben: ihr wurde in der Werbeagentur, für die sie mit Herzblut gearbeitet hat, coronabedingt gekündigt. Ihr Lebensgefährte Robert, der sie schon früher mit seinem extremen Klima-Aktivismus genervt hat,  hat sich zum überkorrekten Corona-Experten entwickelt und macht ihr das Leben zu Hölle. Sie verabschiedet sich von Robert und Berlin und zieht mit ihrer Hündin Jochen in ihr renovierungsbedürftiges Eigenheim nach Bracken, einem kleinen Dorf in Brandenburg mitten auf dem Land. Sie versucht dort mit wenigen Möbeln, einem verwilderten Garten, den sie zum Selbstversorgergarten verwandeln will, und ohne Auto zurecht zu kommen. Hilfe bekommt sie dabei, ob sie will oder nicht, von ihrem Dorfnazi-Nachbarn Grote, der sie mit Möbeln versorgt und öfter mal zum Baumarkt mitnimmt. Nach und nach freundet sie sich mit einigen Dorfbewohnern an, die merkwürdig, aber auch sehr herzlich sind. Ganz besonders angetan hat es ihr Grotes kleine Tochter, die sich unsterblich in Jochen verliebt hat und wie eine kleine Pippi Langstrumpf bei ihrem Vater lebt. Doch es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen in der Dorfidylle, denn es kommt anders als Dora es sich vorgestellt hat und sie wird auf eine harte Probe gestellt.

Ein bisschen überzogen, eine Prise Sarkasmus, viele lustige und nachdenkliche Passagen und ganz viel über Menschen lässt diesen sehr unterhaltsamen Roman zu einer Botschaft der heutigen Zeit werden. Mir hat er super gefallen.

Juli Zeh

Über Menschen

Luchterhand Verlag, ISBN 978-3-630-87667-2

 

 

1 comment on “Juli Zeh – Über MenschenAdd yours →

  1. Hallo Iris, habe über Menschen auch in 3 Tagen verschlungen. Habe mich schon lange nicht mehr so unterhalten und gleichzeitig angeregt gefühlt. Schon erstaunlich, wieviel Sympathie man für einen Menschen empfinden kann, der so gar nicht in die eigenen Wertvorstellungen passt. Interessant aber ist, dass ja eigentlich nur Dora Toleranz gezeigt hat und sich auf seine Welt eingelassen hat. Hätte er auch einen Abend tolerant und friedlich mit ihren Kreuzberger Bekannten und deren Gesprächen verbracht? Gut fand ich auch das Ende. Die Szene mit der Tochter auf dem Friedhof und der im Auto wartenden Mutter war doch sehr berührend. Es wird nicht alles gut und das war ein gutes Ende für den Roman. Ganz liebe Grüße von Kerstin

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